Trennungsangst bei Hunden

So lernt dein Vierbeiner alleine zu bleiben

Die meisten Hunde würden ihre Besitzer am liebsten überall hin begleiten. Dies ist aber nicht immer möglich. Sei es, dass man zur Arbeit oder zum Einkaufen muss, der Vierbeiner muss wohl oder übel auch mal alleine zuhause bleiben. Und dies kann er durchaus erlernen. Daher ist das Trainieren vom Alleinbleiben bei der Hundeerziehung absolut wichtig.

Warum hat dein Hund Trennungsangst?

Trennungsangst wird einem Welpen quasi in die Wiege gelegt. Denn Hunde sind Rudeltiere, die von den Wölfen abstammen. Ein Tier, das allein zurückgelassen wurde, wie zum Beispiel bei Verletzung oder Krankheit, war nicht überlebensfähig. Diese Ur-Angst steckt immer noch in den Hunden. Der Welpe ist zu Beginn auf seine Mutter und seine Geschwister angewiesen. Die Mutter ernährt ihn und seine Geschwister braucht er zum warmen Kontaktliegen und sozialen Lernen. Das Alleinlassen löst beim Hund also eine natürliche Angst aus. Er braucht die Geborgenheit in einem Rudel. Deshalb ist es auch wichtig, den Welpen nicht zu früh sondern erst etwa mit acht Wochen von seiner Mutter und den Geschwistern zu trennen.

Anzeichen von Trennungsangst

Anzeichen von Trennungs- oder Verlustangst kann ein unerwünschtes Verhalten des Vierbeiners sein, wenn er allein zuhause bleiben muss. So zum Beispiel wenn er dann anhaltend bellt, jault oder Wohnungsgegenstände zerstört. Manche Hunde ziehen sich eher zurück, verweigern vielleicht ihr Fressen und leiden im Stillen.

Verlustangst vermeiden

Um Verlustangst zu vermeiden, sollte man sich die ersten Wochen viel Zeit nehmen für den neuen vierbeinigen Mitbewohner. Idealerweise nimmt man sich zwei bis vier Wochen Urlaub, bis sich alles eingespielt hat und der Vierbeiner Vertrauen zu seiner Bezugsperson aufgebaut hat. Vor allem die Sauberkeitserziehung bei kleinen Fellnasen braucht viel Zeit und Geduld. Wenn man dringend das Haus verlassen muss, sollte anfänglich auf jeden Fall jemand Vertrautes auf das neue Familienmitglied aufpassen.

Den Hund alleine lassen

Früh daran gewöhnen

Den Hund alleine zu lassen, trainiert man am besten schon im Welpenalter. Zieht ein bereits erwachsener Hund bei dir ein, muss er sich an sein neues Zuhause auch erst einmal gewöhnen und es kann durchaus länger dauern, ihm das Alleinbleiben anzutrainieren. Er hat vielleicht viele negativen Erfahrungen gemacht und Angst, dass er gleich wieder allein gelassen wird. Aber mit Liebe und Geduld wirst du auch dies meistern.

Langsam daran gewöhnen

Damit die Trennungsangst erst gar nicht aufkommt, solltest du deinen Hund anfangs nur ganz kurz alleine lassen. Zuerst gehst du zum Beispiel nur kurz aus dem Zimmer und schließt die Tür. Wenn ihr das ein paar mal geübt habt, gehst du aus dem Haus, beispielsweise um den Müll nach draußen zu bringen. Und das sollte ganz unauffällig geschehen, ohne große Worte oder Verabschiedung. Das ganze kannst du dann immer um einige Minuten steigern. Hat man das einige Wochen geübt, kann man dann das Alleinlassen immer weiter behutsam ausdehnen.

Keine Beachtung von Aufregung

Wenn du von deinem ″Ausgang″ zurückkehrst, verhalte dich ganz normal und beachte keinesfalls deinen Welpen, wenn er ganz aus dem Häuschen ist. Ansonsten würde er in seinen Augen für die Aufregung noch belohnt, wenn du ihm dabei Beachtung schenkst. Am besten passt du einen Moment ab, indem er kurz ruhig ist und kommst dann zur Tür herein, als wenn nichts gewesen wäre. Streichele ihn erst, wenn er ruhig geworden ist und lobe ihn, dass er das ganz toll gemacht hat.

Keine Bestrafung

Sollte dein kleiner Vierbeiner in der kurzen Zeit etwas angestellt oder vielleicht vor Aufregung eine kleine Pfütze hinterlassen haben, darfst du ihn keinesfalls maßregeln. Ansonsten wird er das Alleinlassen immer mit etwas Negativem verbinden.

Schrittweise ausweiten

Nachdem man immer mal wieder für ein paar Minuten das Haus verlassen hat, kann man das Alleinsein behutsam ausweiten. Zum Beispiel gehst du die nächsten paar Mal für jeweils fünf Minuten, dann für sieben Minuten, dann für zehn Minuten weg. Die ersten Wochen nach dem Einzug darf der Hund aber keinesfalls stundenlang von dir getrennt sein.

Richtige Vorbereitung

Bevor du deinen Welpen länger als zehn Minuten alleine lässt, solltest du folgende Vorbereitungen treffen:

  • Sicherstellen, dass dein pelziger Freund vorher Pippi gemacht hat. Denn vor Aufregung kann der Kleine schon mal vergessen, dass er in der Wohnung ist und nicht im Freien.
  • Ihn in einem gemütlichen, ″sicheren″ Bereich lassen. Gemütlich kann zum Beispiel bedeuten, dass man ihm sein Körbchen dort aufstellt oder der Hund sich dort besonders gerne aufhält. Sicher bedeutet, dass er dort nichts anstellen kann. So sollten dort zum Beispiel keine Kabel angefressen, keine Schuhe zerlegt oder Treppen erklommen werden können. Das kann ein bestimmtes Zimmer, der Flur oder dergleichen sein.
  • Ihm einen Zeitvertreib bieten. Damit dem Kleinen nicht so schnell langweilig wird, bevor du wiederkommst, kannst du ihm sein Lieblingsspielzeug oder einen weichen Kausnack überlassen. Denkbar sind auch versteckte Leckerlis, die der Vierbeiner in gesicherter Umgebung suchen kann. Oder man gibt ihm ein mit Leckerchen gefülltes Hundespielzeug, an dem er sich eine Zeit lang verweilen kann. So verbindet er dein Weggehen auch immer mit etwas Positivem und vielleicht mit einem besonderen, erfreulichen Ritual.
  • Frisches Wasser hinstellen. Falls der kleine Rabauke Durst von seinem Kausnack, dem Kauspielzeug oder durch den Stress bekommt, sollte er immer seinen Durst stillen können.
  • Große Fellnasen sollten vor längerem Alleinsein sich auspowern dürfen. Das kann ein langer Spaziergang sein mit ausgedehntem Toben und Spielen. So können sie noch nebenbei ihre Nordurft erledigen und sind hinterher auch ausgeglichen. Anschließend kann man ihnen ihr Futter geben. Dann werden sie wohl rundum glücklich und müde ein Nickerchen machen, bis du wieder zurückkommst.
  • Nach dem Alleinbleiben sollte der Hund Gassi gehen, sich wieder austoben und ganz viel mit dir schmusen dürfen.

Wie lange sollte ein Hund maximal allein bleiben?

Generell sollte der Vierbeiner nicht länger als vier bis sechs Stunden hintereinander alleine das Haus hüten. Und zu viel Einsamkeit ist absolut schädlich für Gesundheit und Psyche des Hundes. Insbesondere sehr sensible oder ängstliche Hunde können durch zu viel Alleinsein krank oder depressiv werden.
Junge Vierbeiner können nicht zu lange ohne „ein kleines oder großes Geschäft″ auskommen. Daher sollte man Junghunde maximal zwei Stunden alleine lassen.
Erwachsene Hunde, die ans Alleinbleiben behutsam gewöhnt wurden, können je nach Rasse, Charakter und Auslastung vier bis sechs Stunden allein bleiben.
Manchen Hunden fällt das Alleinbleiben leichter, wenn sie einen Artgenossen bei sich haben, mit dem die Zeit schneller vergeht. Länger als sechs Stunden sollte man keinem Hund zumuten, seine Notdurft nicht verrichten zu können.

Alternativen zum Alleinbleiben

Es wird immer mal Fälle geben, in denen du deinen Hund längere Zeit alleine lassen musst, zum Beispiel wenn du auf Geschäftsreise bist. Am besten hast du dich vor Anschaffen des Hundes schon nach Hundesittern oder Hundepensionen umgeschaut. Idealerweise können Bekannte oder Verwandte, die der Vierbeiner kennt und mag, auf ihn aufpassen während deiner Abwesenheit. Auch hier gilt es, die Fellnase langsam an andere Aufpasser zu gewöhnen.

Was tun, wenn es nicht klappt?

Grundsätzlich gilt, immer Ruhe bewahren, sich viel Zeit nehmen und viel Geduld walten lassen. Du solltest deinen Hund nicht überfordern. Sollte es partout nicht klappen, dann hol dir Rat bei anderen Hundebesitzern oder einem Hundeprofi. In der Hundeschule zum Beispiel kann man sich prima mit anderen ″Leidensgenossen″ oder dem Hundetrainer austauschen.

Mit viel Liebe, Geduld und Berücksichtigung der oben genannten Punkte werden dein pelziger Gefährte und du es sicher schaffen, dass er auch mal für ein paar Stunden entspannt allein zuhause bleiben kann. Probier es aus!